Die Mallorca-Geburtshelferkröte: ein lebendes Fossil in der Serra de Tramuntana
Die Mallorca-Geburtshelferkröte gehört zu den Froschlurchen, einer stammesgeschichtlichen sehr alten und urtümlichen Amphibiengruppe. Die Wissenschaft nahm von ihrer Existenz erst vor etwa 35 Jahren Notiz, als 1974 Forscher bei archäologischen Ausgrabungen in Höhlen auf Skelettteile einer bis dahin unbekannten Amphibienart stießen. Eine kleine Sensation zwar, allerdings wurde davon ausgegangen, dass diese Art auf Mallorca im Verborgenen gelebt hatte und irgendwann ausgestorben sein musste. Trotzdem motivierte und mobilisierte die Entdeckung des Skeletts einen Enthusiasten zur systematischen Suche nach der mysteriösen Amphibienart, die 1978 in einem der Torrenten in der Serra de Tramuntana bei Sa Calobra tatsächlich von Erfolg gekrönt war. Der Entdecker fand und fing ein nur 35 bis 40 mm großes lebendes Exemplar, das sich in nachfolgenden Untersuchungen als erwachsene Geburtshelferkröte herausstellte, die einzig und allein auf Mallorca vorkommt, also ein mallorquinischer Endemit ist. In den Folgejahren gelang an sechs weiteren Orten in der Serra de Tramuntana der Nachweis von insgesamt 2000 Tieren. Die Landbevölkerung der Serra de Tramuntana “wusste” bereits vor ihrer Entdeckung durch die Wissenschaft von der Existenz der Mallorca-Geburtshelferkröte, ohne sie je gesehen zu haben und ohne die Tierart benennen zu können. Aber sie kannten ihren Gesang, der in der Dunkelheit weithin zu hören war und dem Klang eines Hammerschlages auf einen Amboss ähnelte. Sie nannten das unsichtbare Fabelwesen Ferreret, was eine Verniedlichungsform des katalanischen ferrerer (“Schmied”) ist und so viel bedeutet wie “Schmiedchen”. Und dort, wo sie ihn hörten, wurden selbst Teiche so benannt. Ferreret – dieser Name für die mallorquinische Geburtshelferkröte ist in den allgemeinen lokalen und internationalen Sprachgebrauch eingegangen und wird selbst in wissenschaftlichen Berichten zur Ansprache des Tieres verwendet. Im Gegensatz zu den meisten anderen Amphibien, die tausende von Eiern produzieren, hat der Ferreret übrigens mit oft nur zehn Eiern eine ausgesprochen geringe Lege- und Reproduktionsrate.
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Schlagworte: Mallorca, Tiere

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